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Brasilien

Land der großen Widersprüche

Viele Brasilianerinnen und Brasilianer meinen, es gäbe mehrere Brasilien: der durch Großgrundbesitz und Monokultur ausgesaugte und ausgetrocknete Nordosten, das von Regenwald, Indigenen und ausgewanderten Landlosen besiedelte Amazonasgebiet, der ab den 1950er Jahren industrialisierte Süden. Das brasilianische Volk ist ein Schmelztiegel aus den Nachkommen der Ureinwohnerinnen und Ureinwohner, afrikanischen Sklavinnen und Sklaven und Einwanderinnen und Einwanderer aus allen Kontinenten.

Das durch Schuldendienste aufgezwungene wirtschaftliche Entwicklungsmodell spaltete das Land in eine winzige, überreiche und eine überwältigende sehr arme Bevölkerungsschicht. Landflucht und Vertreibung, ein rasanter Industrialisierungsprozess schufen Großstädte mit Armenvierteln (Favelas) und Landlose zugleich. Das importierte Modell der "grünen Revolution" steigerte die Agrarproduktion, aber noch vielmehr die Gewinne der multinationalen Konzerne.

In den letzten Jahren, dank einer auf soziale Umverteilung ausgerichteten Politik, sind an die 30 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer in die untere Mittelklasse aufgestiegen, jedoch soziale Konflikte wie beispielsweise im Umfeld der Fußball-WM 2014 sind immer noch an der Tagesordnung.

Indigene Rechte

Als 1500 die portugiesischen Kolonisatoren und Kolonisatorinnen nach Brasilien kamen, lebten hier schätzungsweise 980 unterschiedliche indigene Völker mit entsprechenden Sprachen und Kulturen, insgesamt etwa 6 Millionen Menschen. Erste Konflikt um Land entstanden im Nordosten durch von Sklavinnen und Sklaven bearbeiteten Großgrundbesitze. Ab 1824 führte jedoch auch die geförderte Einwanderung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im Süden zu Landstreitigkeiten.

Nach 500 Jahren erholen sich die noch überlebenden 220 unterschiedlichen indigenen Ethnien langsam vom Tiefstand ihrer Bevölkerung, der 1950 auf etwa 100.000 Menschen lag. Heute zählen sie etwas mehr als 800.000 Menschen. Bis weit in das letzte Jahrhundert vertrat der brasilianische Staat die Vorstellung, dass die Indigenen früher oder später verschwinden würden, entweder durch ihr Aussterben oder durch ihre Anpassung. Die Verfassung von 1988 hat diese Perspektive grundsätzlich verändert. Sie garantiert den indigenen Völkern das Recht auf eigenes Land. Die Umsetzung dieses Rechtes ist allerdings immer noch umkämpft.


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