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Paraguay

Paraguay – weißer Fleck auf der Landkarte?

Generell ist bei uns wenig über dieses Binnenland im Herzen Südamerikas bekannt. Was schade ist, denn jenseits dessen, was vielleicht in den Medien auftaucht, gibt es in Paraguay politische, wirtschaftliche und soziale Phänomene, die es wert sind, genauer analysiert zu werden: Da findet sich im Kleinen das widergespiegelt, was sich auch auf Weltebene abspielt und was uns als Menschheit insgesamt bewegt. Das ferne, wenig bekannte Paraguay ist damit weit mehr als ein weißer Fleck auf der Karte, es ist ein Teil und auch ein Ausdruck der heutigen Welt.

Von 1954 bis 1989 stand Paraguay unter der diktatorischen Herrschaft von Alfredo Stroessner. 2008 wurde die Colorado– Partei von der Macht verdrängt, nach mehr als 60 Jahren alleiniger Herrschaft, während welcher Korruption und Misswirtschaft wachsen und sich fest etablieren konnten. Der Amtsantritt Fernando Lugos als Präsident im Jahr 2008 erweckte große Hoffnungen auf eine Besserung der Lage, die sich jedoch nicht wirklich bewahrheitet haben. Die angekündigte Überprüfung und Bereinigung des nationalen Katasters wurde nicht in Angriff genommen, wodurch sich an der überwältigenden Anzahl der zu Unrecht bestehenden Besitzverhältnisse von Land nichts geändert hat.

Im Juni 2012 kam es zu einem abrupten Machtwechsel, bei dem Fernando Lugo seines Amtes enthoben wurde. Seitdem Federico Franco als Präsident fungiert, hat sich die menschenrechtliche Lage drastisch verschlechtert. Paraguay ist nach wie vor ein Agrarland. Der Osten des Landes ist dichter besiedelt und war noch vor vierzig Jahren in weiten Teilen von subtropischem Regenwald bedeckt. Heute ist von diesem Wald fast nichts mehr übrig. Stattdessen wird das Gebiet von der industriellen Produktion von Soja geprägt, welche die traditionellen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern vom angestammten Land weg und in die Armut und Konsumabhängigkeit getrieben hat. Die rasante Ausdehnung der Sojaplantagen während der letzten Jahre hat außerdem die Viehproduktion weitgehend nach Westparaguay - den Chaco - abgedrängt. Nachdem seit 2005 internationale Handelsabkommen den Export von Rindfleisch aus Paraguay stark fördern, hat dies im Gran Chaco im Westen des Landes zu einer markanten Steigerung der Rindfleischproduktion, aber auch zum Ansteigen der Landpreise und der Abholzungen des Waldes geführt.

2011 haben diese Abholzungen ein Ausmaß von bis zu 1400 Hektar pro Tag erreicht. Zu den vorantreibenden Kräften für die vorherrschende extensive Form der Landwirtschaft gehören unter Anderem brasilianische Großgrundbesitzer und Mennoniten. Jedoch nicht nur die Viehwirtschaft, sondern auch wachsende Interessen an Bodenschätzen wie Erdgas, aber auch große Süßwasserreserven erhöhen die Nachfrage nach Land im Gran Chaco. NGOs warnen auch davor, dass Landkäufe von großen Sojaproduzentinnen und Sojaproduzenten zugenommen haben, da trockenresistente Sojasorten auch die Trockengebiete des Gran Chacos zu potenziellen Anbaugebieten machen.


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