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ILO Konvention zu Gewalt am Arbeitsplatz

„Es gibt ein Momentum. Es ist die richtige Zeit“, sagt Shauna Olney von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Sie ist vorsichtig optimistisch, dass kommenden Juni die ILO Konvention 190 angenommen wird. Eine Konvention zur Beendigung vom Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt.


2011 wurde die letzte ILO Konvention beschlossen, nämlich die Konvention 189 über menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte. Das ist schon ein Weilchen her. “Die ILO Konventionen machen das Unsichtbare sichtbar. Zuvor wurden Hausangestellte nicht als ArbeitnehmerInnen wahrgenommen und auch nicht als RechtsinhaberInnen. Auf Grundlage der Konvention 189 wurden Gesetzte zugunsten von Hausangestellten verändert“, so Shauna Olney.

So nimmt Uruguay, übrigens das erste Land, das die ILO Konvention 189 ratifiziert hat, eine Vorreiterrolle bei der sozialen Sicherung von Hausangestellten ein. So haben die mehr als 120.000 uruguayischen Hausangestellten einen geregelten 8 Stunden Tag, eine Mindestgehaltsregelung, besondere Schutzmaßnahmen für schwangere ArbeitnehmerIinnen und sogar einen öffentlichen Feiertag, den Tag der Hausangestellten am 19. August, der vergütet wird und arbeitsfrei ist. Dieselbe Hoffnung wird auch für die neue Konvention gegen Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz gehegt. Um den Enthusiasmus jedoch wieder auf den Boden der Realität zurückzuholen, muss ergänzt werden, dass ILO Konventionen erst verbindlich werden, wenn sie ratifiziert sind.

Seit 2011 haben erst 27 Staaten die Konvention 189 ratifiziert. Österreich ist nicht unter diesen Staaten. Die meisten von ihnen finden sich auf dem lateinamerikanischen Kontinent. Aber auch dort, wo die Konvention ratifiziert wurde und es Gesetzte gibt, müssen diese erst durchgesetzt werden. Hier kommen die Zivilgesellschaft und die Gewerkschaften zum Zug. „Es gibt keine positiven Veränderungen ohne Kampagnen und den arbeitsrechtlichen Einsatz von Hausangestellten“, so Elizabeth Tang von der Federation of Domestic Workers, die an der Vereinigung von Hausangestellten arbeitet.

Das Unsichtbare sichtbar machen. Die neue Konvention greift jedenfalls ein Thema auf, das gerne übersehen und verschwiegen wird – Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz. Die ILO feiert dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Vielleicht macht sie sich selbst ein Geschenk und verabschiedet die ILO Konvention 190 im Juni. Dringend und wichtig wäre es allenfalls und nicht zuletzt auch ein doppelter Grund zu feiern.


Aleksandra Kolodziejczyk, Referentin für Geschlechtergerechtigkeit von Brot für die Welt Österreich, berichtet von ihren Eindrücken von der 63. Tagung der UN-Frauenstatuskommission in New York.