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Corona in Nairobi: Überleben im Slum

Auch in Kenia ist der Virus Covid-19 längst angekommen. Selbst wenn bisher noch nicht sehr viele Fälle registriert wurden ist eines sicher: Die Menschen in den Slums in Nairobi müssen um ihr Überleben kämpfen. Selbst wenn sie nicht an Covid-19 erkranken - die Lebensbedingungen in der Krise sind härter denn je.

Von Magª Martina Mathe am | Coronavirus
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Magª Martina Mathe Öffentlichkeitsarbeit
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Pastor Idaki leitet das Projekt vor Ort.

Pastor Idaki leitet das Projekt vor Ort.

Brot für die Welt unterstützt seit Jahren das Schul- und Sozialprojekt Hope for Future in Korogocho, dem drittgrößten Slum in Nairobi. Der Projektleiter, Pastor Idaki, im Interview über die aktuelle Lage vor Ort.

Wie ist das Leben in Kenia, welche Maßnahmen wurden aufgrund der Covid-19 Pandemie getroffen?

Es gibt nachts eine Ausgangssperre und Social Distancing Maßnahmen. Seit 6. 4. besteht eine dreiwöchige Reisebeschränkung, auch im Inland. Viele Menschen arbeiten nur in Nairobi und fahren dann am Wochenende aufs Land. Diese Reisetätigkeit soll unterbunden werden, um die Verbreitung auf dem Land, wo das Gesundheitssystem wesentlich schwächer als in der Stadt ist, zu vermeiden. Die Menschen dürfen ihren Distrikt nicht verlassen, außer für notwendige Liefertätigkeiten, z.B. von Lebensmitteln.

Wie sieht es mit dem Schulbetrieb aus?

Die Schulen sind geschlossen und das Bildungsministerium stellt online Aufgaben zur Verfügung. Vor allem in Korogocho stellt das ein großes Problem dar. Für viele Kinder ist die Schule der einzige sichere Ort, an dem sie zudem auch noch gesundes Essen bekommen. Aber Essensausgaben und ähnliches sind nicht mehr erlaubt. Die Polizei kontrolliert die Maßnahmen auch im Slum, Schulen die öffnen, müssen mit Schließung und/oder hohen Strafen rechnen.

Wie kann Hope for Future unter diesen Bedingungen noch unterstützten?

Die Lehrkräfte der Projektschulen versuchen die Menschen in Korogocho durch Information über lokales Radio und Fernsehen zu unterstützen. Die Kinder haben die Möglichkeit kontaktlos ihre Aufgaben ausgedruckt abzuholen und die Lehrenden versuchen so viele Kinder wie möglich per Telefon zu erreichen, um sie nicht zu verlieren. Diese Woche haben zwei Lehrende, die im letzten Jahr bei einer Weiterbildung gelernt haben aus einfachen Grundstoffen billig Seife herzustellen, angefangen größere Mengen Seife zu produzieren. Die Kinder sammeln Plastikflaschen und bringen sie mit, wenn sie ihre Aufgaben holen und befüllen sie mit Seife zum Händewaschen. Es wird auch angedacht einfache Mundschutze zu produzieren.

Neben der Schule wird ja auch noch ein Sozialzentrum und eine Bäckerei betrieben – sind diese auch geschlossen?

Das Sozialzentrum ist geschlossen, die SozialarbeiterInnen versuchen die Kinder per Telefon zu betreuen, was aber schwierig ist. Die Bäckerei ist geöffnet und produziert für den Slum, wo aktuell immer wieder Engpässe in der Essensversorgung sind. Es werden neben den bereits bestehenden Hygienemaßnahmen noch viele weitere Maßnahmen beachtet, wie kontaktlose Auslieferung und Bezahlung, Desinfektionsmittel, Handschuhe und Mundschutz. Aktuell darf auch noch außerhalb Nairobis geliefert werden, aber die Situation ist schwierig, auch weil die Versorgung mit Materialien immer schwieriger wird.

Wie wird es in den nächsten Wochen weitergehen?

Die Leute hier haben Angst. Es gibt kein Krankenhaus in Korogocho und viele Menschen haben nicht genug zu essen. Durch Unterernährung und eine hohe HIV-Rate sind die Menschen noch verstärkter von der Krankheit gefährdet. Aber wir können nicht mit unserem Projekt davonlaufen, wir sind Teil der Community und müssen versuchen, mit dem zu unterstützen, was möglich ist.